Likes kaufen? Gefällt mir gar nicht …

DIE FACEBOOK-KRUX

Das Geschäft läuft, die neue Website steht, jetzt noch Social Media – in den meisten Fällen bedeut das, auf Facebook Präsenz zu zeigen. „Macht man schließlich heute so“. Nun kann man über die Bedeutung von Facebook für das eigene Marketing wunderbar diskutieren, aber darum soll es hier nicht gehen. Ein Hinweis vorneweg: Ich verwende „Like“ („Gefällt mir“-Angabe) und „liken“ (mit „Gefällt mir“ markieren), weil das in Klammern genannte Facebook-Deutsch etwas holprig klingt. Also:

Die Facebook-Seite ist erstellt, Sie selbst liken Sie, Ihre Agentur liket sie und Sie laden ein paar Freunde ein, sie zu liken. Früher war das anfangs sogar nötig, denn erst ab 25 Likes durfte man eine schöne Adresse vergeben – facebook.com/meine-firma statt facebook.com/pages/meine-firma/123456789012345 – das ist nicht mehr so, man kann das gleich zu Beginn einstellen. Aber ohne Likes ist das wie eine Theatervorstellung ohne Publikum. Sie wollen mehr Likes. Vielleicht auch, um zur Konkurrenz aufzuschließen.

Wir haben nachfolgend ein paar nützliche Informationen für Sie zusammengepackt: 

Zielgenau statt Gießkannenprinzip.

Es liegt nahe, zunächst an eigene Freunde und Bekannte zu denken. Das ist auch sinnvoll. Nachdem die Seite angelegt ist, gibt es eine Einladungsfunktion, bei der man aus der eigenen Freundesliste auswählen kann. Sagen wir, Sie verleihen Bagger und einige Ihrer Freunde sind Bauunternehmer – die wollen Sie einladen. Widerstehen Sie der Versuchung, einfach alle Freunde auszuwählen. Wählen Sie gezielt. Bekannte aus dem letzten USA-Urlaub oder Schulfreunde der Kinder sind nicht die Zielgruppe. Worauf es wirklich ankommt, ist die Interaktion auf Ihrer Facebook-Seite. Ihre Beiträge brauchen Likes oder besser noch, sollten geteilt werden. Kommentare und sich daraus ergebende Diskussionen sind besonders wichtig. Dazu brauchen Sie ein Publikum, das sich für Ihr Geschäft wirklich interessiert, keine Gefälligkeits-Likes.

Facebook zeigt nicht jedem alles. Algorithmen entscheiden, welcher Beitrag für wen interessant sein könnte. Je größer das Missverhältnis zwischen den Likes einer Seite (viele) und der dort stattfindenden Interaktion (kaum), als desto uninteressanter bewertet Facebook deren Inhalte ein, zeigt die Beiträge seltener und vor allem weniger Leuten. Nichtmal allen, die Ihre Seite geliket haben. Haben Sie 100 Likes ausschließlich von Freunden, Bekannten und Verwandten, die mit der Thematik eigentlich gar nichts anfangen können, kann das also sogar schädlich sein. Was nun nicht bedeutet, dass Sie solche Likes loszuwerden versuchen sollen – nur müssen Sie die nicht zusätzlich anschieben. „Wertvoll“ sind für Sie Likes von Personen, die Ihre Leistungen in Anspruch nehmen, genommen haben oder nehmen werden.

Spammen Sie nicht!

Nicht alle Eingeladenen werden die Einladung annehmen. Verzichten Sie trotzdem darauf, die Einladungen mehrfach zu wiederholen. Im besten Fall liken die Adressaten Ihre Seite, kommen dort aber nie vorbei. Im schlechtesten Fall verweigern sie den Like und melden Facebook Ihr Vorgehen als Spam; das ist eine der Ablehnoptionen. Es schadet jedoch nichts, die eigene Seite mit dem eigenen Profil zu teilen. So steht das in der Nachrichtenliste Ihrer Freunde als Angebot und kommt weniger einer Aufforderung gleich.

Aber was hat das nun alles mit gekauften Likes zu tun?

Nun, wenn es schon nicht hilfreich, vielleicht sogar kontraproduktiv ist, uninteressierte Bekannte als Publikum zu gewinnen, wie soll das dann erst mit gekauften „Freunden“ sein? Stellen Sie sich vor, Sie geben Geld dafür aus, dass Ihre Seite als weniger interessant eingestuft wird. Dass deren Beiträge einem kleineren Publikum angezeigt werden als vorher. Geld rein für eine Zahl, die dadurch entsteht, dass am anderen Ende der Welt Ihnen völlig unbekannte Personen auf den „Like“-Button klicken. Menschen, die Ihr Produkt vermutlich nicht kennen, wohl kaum Kunden waren oder werden, die aller Wahrscheinlichkeit nichtmal ihre Sprache sprechen. Fraglich außerdem, ob sich hinter jedem Like auch tatsächlich eine echte Person verbirgt. Sie brauchen ein Publikum, das auf Ihrer Facebook-Seite aktiv ist, die bekommen Sie so nicht.

Gehen Sie den Weg, Likes zu kaufen, werden Sie diese Folgen mit absoluter Sicherheit spüren. Und vergessen Sie nicht, dass Sie das beschreibene Missverhältnis zwischen Likes und Interaktion schlecht ändern können. Sie können niemandes Like von Ihrer Seite verweisen, die gekauften Likes bleiben unkalkulierbar lange. Die Antwort auf die Frage „Soll ich Likes kaufen?“ lautet in jedem Falle „NEIN“.

Last but not least: Wie Facebook dazu steht …

Facebook solche gekauften Likes auch wieder rückgängig machen, wenn sie sie bemerken. So etwas widerspricht nämlich auch noch den Nutzungsbedingungen. Das gemessene Missverhältnis bleibt aber weiter bestehen und nun haben Sie für Ihr Geld nichtmal mehr eine Zahl. Ein denkbar schlechtes Geschäft.

  • Florian Hartig
    Florian HartigLeiter IT, Projektleitung Internet